Weizenfeld bei Sonnenuntergang — Symbol der Steppe

Eine Dokumentation

Zwei Heimaten.
Eine Geschichte.

Über 2,5 Millionen Menschen in Deutschland tragen eine einzigartige Geschichte in sich — geprägt von Aufbruch, Leid, Hoffnung und dem Brückenschlag zwischen zwei Welten.

Geschichte entdecken
Scrollen
Einleitung

Wer sind die Russland­deutschen?

Als Russlanddeutsche werden die Nachkommen deutscher Siedler bezeichnet, die seit dem 18. Jahrhundert in das Russische Reich auswanderten.

Sie folgten dem Ruf der Zarin Katharina II., die 1763 mit ihrem Einladungsmanifest europäische Kolonisten ins Land holte — mit dem Versprechen von Land, Religionsfreiheit und Steuerbefreiung.

Über Generationen hinweg bewahrten sie ihre deutsche Sprache, Kultur und Traditionen — und schufen dabei etwas völlig Eigenes: eine Identität zwischen zwei Welten, die bis heute Millionen von Menschen in Deutschland prägt.

Goldene Steppe mit einsamer Kirche am Horizont
"Wir haben unsere Heimat verloren, aber nie unsere Identität."

Geschichte

Von Katharinas Manifest bis zur Gegenwart — über 260 Jahre in Stationen

1763
Portrait Katharina II. von Fedor Rokotov, 1763 — Jahr des Einladungsmanifests

Katharinas Einladung

Zarin Katharina II. — selbst eine Deutsche aus Anhalt-Zerbst — erlässt das Einladungsmanifest. Tausende Deutsche aus Hessen, der Pfalz, dem Rheinland und Schwaben folgen dem Ruf. Sie erhalten Land, Religionsfreiheit und 30 Jahre Steuerbefreiung. Die ersten Siedlungen entstehen an der Wolga.

1800–1900
Weizenfeld — Steppe

Blütezeit der Kolonien

Die deutschen Siedlungen wachsen zu prosperierenden Gemeinden. Über 3.000 Kolonien entstehen — mit eigenen Schulen, Kirchen, Zeitungen und Selbstverwaltung. Die Wolgadeutschen, Schwarzmeerdeutschen und Kaukasiendeutschen entwickeln jeweils eigenständige Kulturen. Deutsche Landwirte gelten als die fortschrittlichsten im ganzen Russischen Reich.

1871
Kolonisten verlassen ihre Siedlungen

Aufhebung der Privilegien

Zar Alexander II. hebt die Sonderrechte der deutschen Kolonisten auf. Russifizierungspolitik und allgemeine Wehrpflicht beginnen. Eine erste Auswanderungswelle setzt ein — vor allem Mennoniten ziehen nach Kanada, Brasilien und Paraguay. Doch die Mehrheit bleibt und passt sich an.

1914–1917
Zerstörtes Dorf während des Ersten Weltkriegs

Erster Weltkrieg & Revolution

Der Krieg gegen Deutschland macht die Russlanddeutschen zu Verdächtigen im eigenen Land. Die "Liquidationsgesetze" von 1915 drohen mit Massenenteignung. Die Revolution 1917 stoppt die Deportationspläne — bringt aber neues Chaos. Bürgerkrieg, Hungersnöte und Anarchie verwüsten die Kolonien.

1924
Deutsche Kolonistenstadt an der Wolga

Autonome Republik der Wolgadeutschen

Die Sowjetunion gründet die ASSR der Wolgadeutschen — die einzige deutsche Autonomie auf russischem Boden. Hauptstadt: Engels (ehemals Pokrowsk). Eigene Schulen, Theater, eine deutschsprachige Zeitung "Nachrichten" und ein Pädagogisches Institut entstehen. Für 17 Jahre lebt die Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft.

1929–1933
Verdorrtes Ackerland — Hungersnot 1932

Kollektivierung & Hungersnot

Stalins Zwangskollektivierung trifft die als "Kulaken" gebrandmarkten deutschen Bauern besonders hart. Vieh, Land und Vorräte werden beschlagnahmt. 1932/33 sterben Zehntausende in der Hungersnot. Kirchen werden zu Lagerhäusern umfunktioniert, Geistliche in den Gulag deportiert. Die Große Säuberung 1937/38 vernichtet die russlanddeutsche Intelligenz.

28. August 1941
Gleise — Symbol der Deportation

Stalins Deportationserlass

Der Erlass "Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolga-Rayons leben" ordnet die totale Deportation an. In nur 24 Stunden müssen Familien ihr gesamtes Leben in einen Koffer packen. Viehwaggons bringen über 900.000 Menschen nach Sibirien und Kasachstan. Die ASSR wird aufgelöst. Kinder werden von Eltern getrennt. Viele überleben den Transport nicht.

1941–1955
Kohlemine — Zwangsarbeit in der Trudarmee

Trudarmee & Sondersiedlung

Alle arbeitsfähigen Russlanddeutschen zwischen 15 und 55 Jahren werden in die Arbeitsarmee (Trudarmee) eingezogen. Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen: Kohlebergwerke, Holzfällerlager, Eisenbahnbau. Die Sterblichkeitsrate liegt bei bis zu 30%. Familien bleiben jahrelang getrennt. Bis 1955 stehen alle Russlanddeutschen unter Kommandanturaufsicht — de facto Gefangene im eigenen Land.

1955
Diplomatisches Treffen im Kreml 1955

Adenauers Moskau-Reise

Bundeskanzler Konrad Adenauer verhandelt in Moskau die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen. Als Nebeneffekt wird die Kommandanturaufsicht über die Russlanddeutschen aufgehoben. Doch eine Rückkehr an die Wolga bleibt verboten. Das Vermögen — Häuser, Land, Betriebe — wird nie zurückgegeben. Die Rehabilitation bleibt ein Versprechen.

1970er–1980er
Koffer am Bahnsteig — Ausreise

Die Ausreisebewegung

Immer mehr Russlanddeutsche stellen Ausreiseanträge — und riskieren damit alles. Antragsteller werden als "Verräter" gebrandmarkt, verlieren Arbeit und Wohnung. Manche warten 10 Jahre und länger. Die Bewegung wird zur Massenbewegung. Kirchengemeinden und Familienbriefe halten die Verbindung nach Deutschland am Leben.

1990–2000
Deutsche Kleinstadt — Die neue Heimat

Die große Aussiedlung

Der Eiserne Vorhang fällt — und die größte Migrationsbewegung der deutschen Nachkriegsgeschichte beginnt. Allein 1994 kommen über 213.000 Spätaussiedler. Insgesamt siedeln rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche nach Deutschland über. Das Grenzdurchgangslager Friedland wird zum Symbol: Hier beginnt das neue Leben. Koffer, Tränen, Hoffnung — und der Geruch von deutschem Brot.

Heute
Junge Menschen auf einer Brücke — Ankommen

Angekommen — und doch besonders

Russlanddeutsche sind heute fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft — in Sport, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Gleichzeitig bewahren viele ihre einzigartige Identität als Brückenbauer zwischen Ost und West. Eine junge Generation entdeckt ihre Wurzeln neu: mit Podcasts, Dokumentarfilmen und Social Media. Die Geschichte wird endlich erzählt — von denen, die sie leben.

Wussten Sie?

Die Stadt Engels an der Wolga war die Hauptstadt der deutschen Autonomen Republik
Katharina die Große war selbst eine Deutsche — geboren als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst
Die Wolgadeutschen nannten ihre Dörfer oft nach den Herkunftsorten: Straßburg, Mannheim, Zürich
Deutsche Kolonisten brachten die Senfproduktion nach Russland — Sarepta-Senf ist bis heute eine bekannte Marke
Das Grenzdurchgangslager Friedland hat seit 1945 über 4 Millionen Menschen aufgenommen
Plautdietsch wird heute noch von ca. 400.000 Mennoniten weltweit gesprochen

Kultur & Identität

Was die Russlanddeutschen über Jahrhunderte bewahrt und neu geschaffen haben

Deutscher Brief neben russischer Zeitung
Sprache

Drei Sprachen, eine Seele

Die Russlanddeutschen bewahrten ihre Dialekte über Jahrhunderte: Wolgadeutsch (hessisch-pfälzisch geprägt), Schwarzmeerdeutsch (schwäbisch) und Plautdietsch (mennonitisches Niederdeutsch, heute noch von ca. 400.000 Menschen weltweit gesprochen). Nach der Deportation kam Russisch als Alltagssprache hinzu.

Typisch am Esstisch: Oma spricht Dialekt, Eltern Russisch, die Enkel antworten auf Hochdeutsch. Dieser gelebte Trilingualismus ist weltweit einzigartig — und droht mit der Erlebt-Generation zu verschwinden.

Vertiefen →
Holzkirche mit Kerzen
Religion

Glaube als Anker

Der Glaube war das Rückgrat — auch unter sowjetischer Verfolgung. Lutheraner (Mehrheit der Wolgadeutschen), Katholiken (Schwarzmeerdeutsche), Mennoniten und Baptisten hielten ihre Gemeinden im Untergrund am Leben. Heimliche Gottesdienste in Wohnzimmern, Bibeln unter Dielenbrettern versteckt. Heute sind russlanddeutsche Freikirchen eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden in Deutschland.

Russlanddeutsche Küche — Piroggen, Borschtsch, Brot
Küche

Zwei Kulturen, ein Tisch

Wareniki (Teigtaschen mit Quark oder Kirschen), Borschtsch mit Schmand und Dill, Kreppel (Krapfen), Riwwelkuchen (Streuselkuchen), Plov (Reisgericht aus Zentralasien) — die russlanddeutsche Küche erzählt in jedem Gericht die Geschichte zweier Heimaten. Die Rezepte werden mündlich weitergegeben, jede Familie hat ihre eigene Version.

20 Rezepte entdecken →
Akkordeon — Volksmusik der Russlanddeutschen
Musik & Feste

Von der Kerb zum Festival

Das Akkordeon (Bajan) ist das Instrument der Russlanddeutschen. Kirchenchöre, Volkslieder in deutschen Dialekten, das Erntefest (Kerb) — auch in der Verbannung wurde gesungen und gefeiert. Heute organisiert das BKDR Nürnberg regelmäßig Musikabende, und der Steppenkinder-Podcast bringt die Geschichten der Community in die Kopfhörer einer neuen Generation.

Vertiefen →
Deutsche Kolonistensiedlung mit Kirchturm
Siedlungen & Architektur

Mit den Händen gebaut

Die deutschen Kolonien waren schon von Weitem erkennbar: Schnurgerade Straßen, weiß gekalkte Häuser mit farbigen Fensterläden, ein Kirchturm als Mittelpunkt. An der Wolga entstanden über 100 Dörfer — viele benannt nach den Herkunftsorten: Straßburg, Mannheim, Basel. Die Siedler brachten fortschrittliche Landwirtschaft mit: Senfanbau (Sarepta-Senf ist bis heute eine Marke in Russland), Tabak und moderne Bewässerung.

Vertiefen →
Junge Frau mit altem Familienfoto
Identität heute

Zwischen den Welten

In Kasachstan die "Faschisten", in Deutschland die "Russen" — die russlanddeutsche Identität ist eine Brückenidentität. Jüngere Generationen entdecken ihre Wurzeln neu: Der Podcast "Steppenkinder" erreicht Tausende, Dokumentarfilme wie "Nemez" gewinnen Preise, auf Instagram und TikTok teilen junge Russlanddeutsche stolz ihre Familiengeschichten. Der JSDR organisiert Jugendkongresse. Die Community wird sichtbarer als je zuvor.

Vertiefen →
Gleise in die Unendlichkeit — Kasachische Steppe
"In Kasachstan waren wir die Faschisten.
In Deutschland sind wir die Russen.
Wo gehören wir hin?"
— Viktor S., Aussiedler seit 1992

Menschen & Geschichten

Stimmen aus drei Generationen — vom Aufbruch bis zum Ankommen

Ältere Frau — Erlebt-Generation
Erlebt-Generation
"Wir hatten zwei Stunden, um unser ganzes Leben in einen Koffer zu packen. Ich war neun Jahre alt. Mein Vater hob mich auf den Waggon. 'Wir kommen wieder', sagte er. Wir kamen nie wieder. Den Geruch des Zuges nach Kasachstan — Kohle, Angst und nasses Stroh — werde ich nie vergessen."

Elsa M.

*1932 in Engels/Wolga, deportiert nach Kasachstan, ausgesiedelt 1993 nach Nürnberg

Mann mittleren Alters — Aufbruch-Generation
Aufbruch-Generation
"Zehn Jahre haben wir auf die Ausreise gewartet. Man hat mich degradiert, meine Frau wurde gekündigt. Die Nachbarn haben uns gemieden. Als wir endlich im Flugzeug saßen, hat mein Sohn geweint. 'Warum fahren wir in ein Land, das wir nicht kennen?' Er war acht. Heute ist er Ingenieur in Stuttgart."

Viktor S.

*1958 in Karaganda/Kasachstan, ausgereist 1992 nach Stuttgart

Junge Frau — Neue Generation
Neue Generation
"Meine Oma spricht Plautdietsch mit mir, meine Eltern Russisch, und ich antworte auf Deutsch. Beim Abendessen stehen Piroggen neben Maultaschen. Meine Freunde fragen mich manchmal, 'was ich eigentlich bin'. Ich bin alles davon. Das ist meine Normalität — und mein Reichtum."

Alina K.

*1998 in Stuttgart, Studentin der Kulturwissenschaften

Bekannte Russlanddeutsche

HF
Helene Fischer *1984 in Krasnojarsk, Sibirien. Großeltern waren Wolgadeutsche, 1941 deportiert. 1988 Aussiedlung nach Wöllstein. Deutschlands erfolgreichste Sängerin.
EH
Eleonora Hummel *1970 in Kasachstan. Schriftstellerin — "Die Fische von Berlin", "Die Venus im Pelz". Machte die Community literarisch sichtbar.
IP
Ira Peter Journalistin, Autorin, Podcasterin. Co-Host von "Steppenkinder". Stimme der neuen Generation Russlanddeutscher.
ND
Nelly Däs *1929 in Engels/Wolga. Schriftstellerin — "Wölfe und Sonnenblumen", "Der Zug in die Freiheit". Stimme der Erlebt-Generation, verfilmt im ZDF.
EW
Edwin Warkentin Journalist und Podcaster. Co-Host von "Steppenkinder". Kulturvermittler zwischen den Generationen.
VK
Viktor Krieger Historiker — Autor des Standardwerks "Geschichte der Russlanddeutschen". Universität Heidelberg.
MF
Melitta Forberg *1966 in Karaganda, Kasachstan. Richterin am Oberlandesgericht Köln. Engagiert sich für Integration und Rechtsstaatlichkeit.
AW
Alfred Koch *1961, Wolgadeutscher Abstammung. Ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident Russlands und Vorsitzender des Staatlichen Vermögenskomitees. Zeigt die politische Reichweite der Community.
KW
Katharina Warkentin Filmemacherin. Ihr Dokumentarfilm "Nemez" (2022) über die russlanddeutsche Identität wurde auf internationalen Festivals ausgezeichnet.

Zahlen & Fakten

Die russlanddeutsche Geschichte in Daten

0
Russlanddeutsche leben heute in Deutschland
0
Jahre Geschichte — seit Katharinas Manifest 1763
0
Menschen wurden 1941 zwangsdeportiert
0
Aussiedler kamen allein im Rekordjahr 1994

Interaktive Karte — Siedlungsgebiete & Deportationsziele

Klicke auf einen Ort, um seine Geschichte zu entdecken

Wähle einen Ort auf der Karte

Aussiedler nach Jahrzehnt

1950er
8.000
1960er
11.000
1970er
48.000
1980er
310.000
1990er
1.630.000
2000er
410.000
2010er
15.000

Die 1990er waren das Jahrzehnt der großen Aussiedlung. Allein 1994 kamen über 213.000 Menschen — der absolute Höhepunkt.

Mediathek

Bücher, Filme und Ressourcen zum Vertiefen

DW Doku: Russlanddeutsche — Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Russlanddeutsche — Ein Leben zwischen zwei Kulturen

DW Dokumentation über die Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen. Woher kommen sie, was haben sie erlebt, wie leben sie heute?

Bücher

"Vielleicht Esther" Katja Petrowskaja (Suhrkamp) — Ingeborg-Bachmann-Preis 2013. Familiengeschichte zwischen Kiew und Berlin, übersetzt in 30+ Sprachen.
"Die Fische von Berlin" Eleonora Hummel (Steidl) — Drei Generationen einer russlanddeutschen Familie. Debütroman, der die Community erstmals literarisch sichtbar machte.
"Kolonisten, Sowjetdeutsche, Aussiedler" Viktor Krieger (BpB) — Das Standardwerk. 260 Jahre in einem Band — von der Ansiedlung bis zur Gegenwart. Auch über die Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.
"Wölfe und Sonnenblumen" Nelly Däs — Autobiographischer Roman über das Schicksal einer wolgadeutschen Familie: Deportation, Flucht und die Suche nach Heimat. Ihr bekanntestes Werk, erstmals 1969 erschienen.

Filme & Dokumentationen

"Ein Leben zwischen zwei Kulturen" DW Doku — Umfassende Dokumentation über Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen.
"Unsere fremden Nachbarn?" SWR Doku — Deportation unter Stalin, Aussiedlung, Integration. Zeitzeugen erzählen.
"Gelobtes Land, Gehasstes Land" Die (vergessene) Geschichte der Russlanddeutschen — über 200 Jahre im Überblick.
Zeitzeugenbericht: Rosalia Maier Erschütternder Bericht über die Deportation der Wolgadeutschen 1941.
"Die Geschichte der Russlanddeutschen" Kompakte Einführung in die gesamte 260-jährige Geschichte.
"Steppenkinder" — Podcast Ira Peter & Edwin Warkentin. Alle 2 Wochen neue Folgen über Identität, Migration, Ankommen.

Museen & Orte

Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold — Das zentrale Museum. Dauerausstellung, Archiv, Veranstaltungen. Interaktive Führungen buchbar.
Museum Friedland Grenzdurchgangslager — Seit 1945 Ankunftsort für Millionen. Eigener Podcast "Perspektiven".
Bayerisches Kulturzentrum (BKDR) Nürnberg — Eröffnet 2019 durch MP Söder. Ausstellungen, Musik, Lesungen, Bildungsprogramme.
Filmliste der LmDR Kuratierte Sammlung russlanddeutscher Filme — Spielfilme und Dokumentationen.

Rezepte

20 Gerichte, die in keinem russlanddeutschen Haushalt fehlen — von Omas Wareniki bis zum kasachischen Plov

Wareniki mit Quark

Wareniki mit Quark

Teigtaschen mit Quarkfüllung — das Sonntagsgericht. Mit Schmand und Butter.

4 Port.45 Min.Leicht
Teig
  • 400g Mehl
  • 1 Ei
  • 200ml lauwarmes Wasser
  • 1 TL Salz
Füllung
  • 500g trockener Quark
  • 1 Eigelb
  • 2 EL Zucker
  • 1 Prise Salz
Zubereitung
  1. Mehl mit Ei, Wasser und Salz zu einem glatten Teig verkneten. 20 Min. ruhen lassen.
  2. Quark mit Eigelb, Zucker und Salz verrühren.
  3. Teig dünn ausrollen, Kreise (8 cm) ausstechen, je 1 EL Füllung, zuklappen, Ränder mit Gabel andrücken.
  4. In Salzwasser 3–4 Min. kochen bis sie aufschwimmen.
  5. Mit Schmand, zerlassener Butter und Erdbeermarmelade servieren.

Omas Tipp: Ränder immer doppelt andrücken — mit der Gabel.

Borschtsch

Borschtsch

Leuchtend rote Rote-Bete-Suppe mit Schmand und Dill — schmeckt am nächsten Tag noch besser.

6 Port.90 Min.Mittel
Zutaten
  • 500g Rindfleisch
  • 3 Rote Bete
  • 3 Kartoffeln
  • 1 Dose Bohnen
  • 2 Karotten, 1 Zwiebel
  • ¼ Weißkohl
  • 2 EL Tomatenmark
  • Knoblauch, Lorbeer
  • Schmand, Dill
Zubereitung
  1. Rindfleisch 1 Std. köcheln, Schaum abschöpfen.
  2. Rote Bete in Streifen, Karotten raspeln, Zwiebel würfeln.
  3. Gemüse anbraten, Tomatenmark rösten, Rote Bete 10 Min. mitdünsten.
  4. Kartoffeln und Kohl zur Brühe. Nach 10 Min. alles zusammen.
  5. Knoblauch, Lorbeer, Salz, Pfeffer. 15 Min. köcheln.
  6. Mit Schmand und Dill servieren. Dazu Schwarzbrot.

Omas Tipp: Nach der Rote Bete nicht umrühren — nur den Topf sanft schwenken, sonst wird die Farbe trüb.

Nudlsupp

Nudlsupp

Kräftige Rinderbrühe mit handgemachten Eiernudeln — Omas Allheilmittel.

4 Port.90 Min.Mittel
Brühe
  • 500g Rindfleisch (Beinscheibe)
  • 2 Karotten
  • 1 Petersilienwurzel
  • 1 Zwiebel (halbiert)
  • Lorbeer, Pfefferkörner
  • Salz
Nudeln
  • 200g Mehl
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz
Zubereitung
  1. Fleisch mit Gemüse, Zwiebel und Gewürzen aufsetzen, 1,5 Std. köcheln. Schaum abschöpfen.
  2. Mehl, Eier und Salz zu einem festen Teig kneten. Dünn ausrollen, auf bemehltem Tuch trocknen lassen.
  3. Teig aufrollen und in schmale Streifen schneiden.
  4. Brühe abseihen, Fleisch in Stücke zupfen, Karotten in Scheiben.
  5. Nudeln 5 Min. in der Brühe kochen. Mit Petersilie servieren.

Omas Tipp: Die Nudeln auf einem sauberen Geschirrtuch trocknen — je dünner, desto besser. Und die Brühe nie stark kochen, nur ziehen lassen.

Plov

Plov

Zentralasiatisches Reisgericht mit Lamm, Karotten und Kreuzkümmel — aus der kasachischen Zeit.

6 Port.90 Min.Mittel
Zutaten
  • 500g Lammfleisch
  • 400g Langkornreis
  • 4 Karotten
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Knoblauchknolle
  • Kreuzkümmel, Berberitze
  • Pflanzenöl, Salz
Zubereitung
  1. Reichlich Öl in einem Kazan/großen Topf stark erhitzen.
  2. Fleisch anbraten bis goldbraun. Zwiebeln dazu, glasig.
  3. Karotten in Stifte schneiden, zugeben. 10 Min. braten.
  4. Mit Wasser bedecken, Kreuzkümmel, Salz. 40 Min. köcheln.
  5. Gewaschenen Reis darauf verteilen (nicht rühren!). Knoblauchknolle in die Mitte drücken.
  6. Zugedeckt auf niedriger Hitze 25 Min. garen. Dann vorsichtig wenden.

Omas Tipp: Den Reis nie umrühren — er gart im Dampf über der Fleischsoße. Das ist das Geheimnis.

Piroggen

Piroggen

Große gebackene Hefeteigtaschen mit Fleisch-Zwiebel-Füllung. Das Festessen.

8 St.120 Min.Mittel
Teig
  • 500g Mehl
  • 250ml warme Milch
  • 1 Pck. Hefe
  • 50g Butter, 1 Ei
  • 1 TL Zucker, Salz
Füllung
  • 400g Hackfleisch (Rind/Schwein)
  • 2 Zwiebeln
  • Salz, Pfeffer
Zubereitung
  1. Hefeteig ansetzen, 1 Std. gehen lassen.
  2. Hackfleisch mit gewürfelten Zwiebeln, Salz, Pfeffer vermengen (roh!).
  3. Teig in 8 Stücke teilen, flach ausrollen, Füllung drauf, zuklappen.
  4. Auf Backblech setzen, 20 Min. gehen lassen. Mit Eigelb bestreichen.
  5. Bei 180°C ca. 25–30 Min. goldbraun backen.

Omas Tipp: Die Füllung roh einfüllen — das Fleisch gart im Teig und bleibt saftig.

Schnitsupp

Schnitsupp

Klare Hühnerbrühe mit handgeschnittenen Nudeln — das Erkältungsmittel Nr. 1.

4 Port.60 Min.Leicht
Brühe
  • 1 Suppenhuhn
  • 2 Karotten
  • 1 Zwiebel
  • Petersilienwurzel
  • Lorbeer, Pfeffer, Salz
Nudeln
  • 200g Mehl
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz
Zubereitung
  1. Huhn mit Gemüse und Gewürzen aufsetzen, 1 Std. köcheln.
  2. Mehl, Eier, Salz zu festem Teig kneten. Dünn ausrollen, in schmale Streifen schneiden.
  3. Brühe abseihen, Fleisch vom Knochen lösen.
  4. Nudeln und Fleischstücke in der Brühe 5 Min. kochen.
  5. Mit frischer Petersilie servieren.

Omas Tipp: Je dünner die Nudeln, desto besser. Auf einem bemehlten Tuch trocknen lassen.

Apfelstrudel

Apfelstrudel

Hauchdünner Strudelteig mit Apfelfüllung, Rosinen und Zimt. Sonntagsklassiker.

8 Port.75 Min.Schwer
Zutaten
  • 250g Mehl
  • 1 Ei, 2 EL Öl
  • 120ml lauwarmes Wasser
  • 1kg Äpfel (säuerlich)
  • 80g Zucker, Zimt
  • 50g Rosinen
  • 80g Semmelbrösel
  • 60g Butter
Zubereitung
  1. Teig kneten, in Öl einpinseln, 30 Min. ruhen lassen.
  2. Äpfel schälen, fein schneiden, mit Zucker, Zimt, Rosinen mischen.
  3. Semmelbrösel in Butter anrösten.
  4. Teig auf bemehltem Tuch hauchdünn ausziehen.
  5. Brösel drauf, Füllung verteilen, einrollen.
  6. Bei 180°C ca. 35 Min. backen. Mit Puderzucker bestäuben.

Omas Tipp: Man muss eine Zeitung durch den Teig lesen können — so dünn muss er sein.

Dampfnudeln

Dampfnudeln

Gedämpfte Hefeklöße mit Vanillesoße — luftig, süß, tröstlich.

4 Port.60 Min.Mittel
Zutaten
  • 500g Mehl
  • 250ml warme Milch
  • 1 Pck. Hefe
  • 50g Zucker
  • 50g Butter
  • 1 Ei, Salz
  • Vanillesoße zum Servieren
Zubereitung
  1. Hefeteig ansetzen, 1 Std. gehen lassen.
  2. Kugeln formen (ca. 80g).
  3. In großem Topf: 2 EL Butter, 3 EL Zucker, 150ml Milch aufkochen.
  4. Kugeln einlegen, Deckel drauf, 20 Min. dämpfen — Deckel NICHT öffnen!
  5. Fertig wenn die Milch komplett eingekocht ist und der Boden goldbraun.

Omas Tipp: Wer den Deckel öffnet, bevor die Zeit um ist, dem fallen sie zusammen!

Riwwelkuchen

Riwwelkuchen

Saftiger Hefekuchen mit dicker Streuselschicht — das Stück Heimat vom Blech.

1 Blech90 Min.Leicht
Hefeteig
  • 500g Mehl
  • 200ml Milch
  • 1 Pck. Hefe
  • 80g Zucker
  • 80g Butter, 1 Ei
Streusel
  • 300g Mehl
  • 200g Zucker
  • 200g kalte Butter
Zubereitung
  1. Hefeteig ansetzen, 45 Min. gehen lassen.
  2. Streusel: Mehl, Zucker und kalte Butter mit den Händen zu groben Krümeln reiben.
  3. Teig auf Blech ausrollen, Streusel großzügig drauf.
  4. Bei 180°C 25–30 Min. goldbraun backen.

Omas Tipp: Die Streusel müssen grob sein — nicht zu fein krümeln, sonst wird's kein richtiger Riwwelkuchen.

Kwas

Kwas

Fermentiertes Brotgetränk — erfrischend, leicht säuerlich. Der Sommer-Drink.

3 Liter15 Min. + 2 TageLeicht
Zutaten
  • 300g Schwarzbrot (altbacken)
  • 3L kochendes Wasser
  • 150g Zucker
  • 10g Trockenhefe
  • Rosinen
Zubereitung
  1. Brot in Stücke brechen, in einem großen Gefäß mit kochendem Wasser übergießen.
  2. Abkühlen lassen auf Handwärme. Zucker und Hefe einrühren.
  3. Mit Tuch abdecken, 2 Tage bei Raumtemperatur fermentieren.
  4. Abseihen, in Flaschen füllen, je 3–4 Rosinen rein. Kühlstellen.

Omas Tipp: Je dunkler das Brot, desto kräftiger der Kwas. Und: Nicht zu lange stehen lassen — sonst wird's Essig!

Plachinda

Plachinda

Dünner geschichteter Teigfladen mit Kürbisfüllung — süß, buttrig, moldawisch beeinflusst.

4 Port.60 Min.Mittel
Zutaten
  • 300g Mehl
  • 150ml Wasser
  • 1 Ei, Salz
  • 500g Kürbis (geraspelt)
  • 3 EL Zucker
  • Butter zum Bestreichen
Zubereitung
  1. Teig kneten, in 4 Stücke teilen, 20 Min. ruhen.
  2. Kürbis raspeln, mit Zucker mischen.
  3. Jedes Teigstück hauchdünn ausziehen, mit Butter bestreichen.
  4. Füllung drauf, spiral einrollen, flach drücken.
  5. In Butter goldbraun anbraten, beidseitig.

Omas Tipp: Geht auch mit Kartoffeln oder Quark statt Kürbis.

Kartoffelsuppe

Kartoffelsupp

Sämige Kartoffelsuppe mit Speck und Schnittlauch — wärmt Leib und Seele.

4 Port.40 Min.Leicht
Zutaten
  • 800g Kartoffeln
  • 150g Speck
  • 1 Zwiebel
  • 1L Brühe
  • 200ml Sahne
  • Schnittlauch, Salz, Pfeffer
Zubereitung
  1. Kartoffeln schälen, würfeln, in Brühe weichkochen.
  2. Speck auslassen, Zwiebel darin anbraten.
  3. Kartoffeln grob stampfen (nicht pürieren!), Sahne einrühren.
  4. Speck-Zwiebel-Mischung unterheben.
  5. Mit Schnittlauch servieren.

Omas Tipp: Nicht pürieren — die Suppe muss stückig sein.

Krebel

Krebel

Luftige frittierte Teigstücke mit Kefir — gedreht, goldbraun, innen weich. Mit Marmelade oder Schmand.

~25 St.30 Min. + 1 Std. RuheLeicht
Zutaten
  • 500ml Kefir oder Buttermilch (zimmerwarm)
  • Ca. 700g Mehl
  • 1 TL Natron
  • 1 Ei
  • 1–2 EL Zucker
  • 1 TL Salz
  • Sonnenblumenöl zum Ausbacken
Zubereitung
  1. Natron in den warmen Kefir geben — es schäumt auf. Ei, Salz und Zucker einrühren.
  2. Mehl nach und nach einarbeiten, bis ein weicher Teig entsteht, der nicht mehr klebt.
  3. Teig abdecken und 1 Stunde ruhen lassen.
  4. Auf bemehlter Fläche ca. 0,5 cm dick ausrollen. In Streifen (ca. 3×8 cm) schneiden.
  5. In die Mitte jedes Stücks einen Schlitz schneiden und ein Ende durchziehen — die typische Krebel-Form.
  6. In reichlich heißem Sonnenblumenöl beidseitig goldbraun ausbacken.
  7. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Omas Tipp: Den Kefir unbedingt zimmerwarm nehmen, damit das Natron richtig reagiert. Dazu Marmelade, Honig oder Schmand.

Kohlrouladen

Holubzi

Kohlrouladen mit Hack-Reis-Füllung in Tomatensoße — herzhaft und sättigend.

4 Port.90 Min.Mittel
Zutaten
  • 1 Weißkohl
  • 400g Hackfleisch
  • 150g Reis (vorgekocht)
  • 1 Zwiebel, 1 Karotte
  • 500ml Tomatensoße
  • 200ml Schmand
  • Salz, Pfeffer
Zubereitung
  1. Kohlblätter blanchieren (Strunk einschneiden, Blätter lösen).
  2. Hack mit Reis, gewürfelter Zwiebel, Salz, Pfeffer mischen.
  3. Je 2 EL Füllung in ein Blatt, einrollen, Seiten einklappen.
  4. In Bräter schichten, Tomatensoße mit Schmand verrühren, darüber.
  5. Bei 180°C zugedeckt 60 Min. schmoren.

Omas Tipp: Kohl kurz einfrieren und wieder auftauen — dann lassen sich die Blätter leichter lösen.

Pelmeni

Pelmeni

Kleine Fleischteigtaschen — hundertfach geformt, in Brühe oder mit Butter serviert.

4 Port.90 Min.Mittel
Teig
  • 400g Mehl
  • 1 Ei
  • 200ml Wasser
  • Salz
Füllung
  • 300g Hackfleisch (Rind/Schwein)
  • 1 Zwiebel (fein gerieben)
  • Salz, Pfeffer
Zubereitung
  1. Teig kneten, 30 Min. ruhen lassen.
  2. Hack mit geriebener Zwiebel und Gewürzen vermengen.
  3. Teig dünn ausrollen, kleine Kreise (5 cm) ausstechen.
  4. Je 1 TL Füllung, zuklappen, Ecken zusammendrücken (Ringform).
  5. In Salzwasser 5–7 Min. kochen. Mit Butter und Schmand servieren.

Omas Tipp: Auf Vorrat machen und einfrieren — das Sonntagsessen für faule Tage.

Mohnkuchen

Mohnkuchen

Saftiger Hefekuchen mit dunkler Mohnfüllung — auf jeder Hochzeit dabei.

1 Rolle120 Min.Mittel
Hefeteig
  • 500g Mehl
  • 200ml Milch
  • 1 Pck. Hefe
  • 80g Zucker, 80g Butter
Füllung
  • 300g gemahlener Mohn
  • 150g Zucker
  • 100ml Milch
  • 50g Butter
Zubereitung
  1. Hefeteig ansetzen, 1 Std. gehen lassen.
  2. Mohn mit Milch, Zucker und Butter aufkochen, abkühlen lassen.
  3. Teig ausrollen, Mohnmasse verteilen, fest einrollen.
  4. Auf Blech 20 Min. gehen lassen, mit Eigelb bestreichen.
  5. Bei 180°C 30–35 Min. backen.

Omas Tipp: Mohn immer frisch mahlen — fertig gemahlener Mohn wird schnell bitter.

Sauerkraut mit Kartoffeln

Sauerkraut mit Wurst

Einfach, herzhaft, deutsch: Sauerkraut mit Salzkartoffeln und Räucherwurst.

4 Port.40 Min.Leicht
Zutaten
  • 700g Sauerkraut
  • 800g Kartoffeln
  • 4 Räucherwürstchen
  • 1 Zwiebel
  • 2 EL Schmalz/Butter
  • Lorbeer, Wacholder
Zubereitung
  1. Kartoffeln schälen und in Salzwasser kochen.
  2. Zwiebel in Schmalz anbraten, Sauerkraut dazu, Lorbeer, 20 Min. dünsten.
  3. Würstchen die letzten 10 Min. miterhitzen.
  4. Zusammen servieren.

Omas Tipp: Das Sauerkraut nicht waschen — die Milchsäure ist das Gute daran.

Lagman

Lagman

Zentralasiatische Nudelsuppe mit gezogenen Nudeln, Lamm und Gemüse.

4 Port.75 Min.Schwer
Zutaten
  • 300g Lammfleisch
  • Nudeln (oder 300g Mehl, 1 Ei, Wasser für Handgemachte)
  • 2 Paprika, 2 Tomaten
  • 1 Zwiebel, 3 Knoblauchzehen
  • Tomatenmark, Kreuzkümmel
  • Koriander, Chili
Zubereitung
  1. Lamm in Würfel schneiden, scharf anbraten.
  2. Zwiebel, Paprika, Tomaten dazu, 5 Min. braten.
  3. Tomatenmark, Gewürze, mit Wasser ablöschen. 30 Min. köcheln.
  4. Nudeln separat kochen (oder: Teig kneten, ruhen lassen, zu dünnen Nudeln ziehen).
  5. Nudeln in Schale, Suppe darüber.

Omas Tipp: Handgezogene Nudeln brauchen Übung — aber der Geschmack ist unvergleichlich.

Salzgurken

Salzgurken

Milchsauer eingelegte Gurken — knackig, würzig, zu allem passend.

1 Glas (3L)20 Min. + 5 TageLeicht
Zutaten
  • 1,5 kg kleine feste Gurken
  • 1,5L Wasser
  • 3 EL Salz (ohne Jod)
  • Dill, Knoblauch
  • Meerrettichblätter
  • Schwarze Johannisbeerblätter
Zubereitung
  1. Gurken waschen, Enden abschneiden.
  2. Glas mit Dill, Knoblauch und Blättern auslegen.
  3. Gurken dicht einschichten.
  4. Salzlake aufkochen, abkühlen lassen, über die Gurken gießen.
  5. 5 Tage bei Raumtemperatur fermentieren, dann kühl stellen.

Omas Tipp: Ein Stück Meerrettichwurzel hält die Gurken knackig.

Manty

Manty

Große gedämpfte Teigtaschen mit würziger Lammfüllung — kasachisches Festessen.

4 Port.90 Min.Mittel
Teig
  • 400g Mehl
  • 200ml Wasser
  • 1 Ei, Salz
Füllung
  • 500g Lammhack
  • 2 Zwiebeln (gewürfelt)
  • Kreuzkümmel, Pfeffer
  • Salz, 50ml Wasser
Zubereitung
  1. Teig kneten, 30 Min. ruhen lassen.
  2. Hack mit Zwiebeln, Gewürzen und Wasser mischen.
  3. Teig in Stücke teilen, dünn ausrollen (12 cm Quadrate).
  4. Füllung in die Mitte, Ecken nach oben zusammenfalten, fest verschließen.
  5. Dämpfeinsatz einfetten, Manty einlegen, 40–45 Min. dämpfen.
  6. Mit Schmand und Zwiebelsalat servieren.

Omas Tipp: Das Wasser in der Füllung macht die Manty saftig — nicht weglassen!

Glossar

Schlüsselbegriffe zum Verständnis der russlanddeutschen Geschichte

Aussiedler / Spätaussiedler

Rechtlicher Status für Deutschstämmige aus der ehemaligen Sowjetunion, die nach Deutschland übersiedeln. Bis 1993 "Aussiedler", danach "Spätaussiedler" (§4 BVFG). Der Status garantiert die deutsche Staatsbürgerschaft und Integrationsleistungen. Voraussetzung: Nachweis deutscher Volkszugehörigkeit und seit 1996 ein Sprachtest.

Wolgadeutsche

Die größte Gruppe der Russlanddeutschen. Nachfahren der Siedler, die ab 1764 an der unteren Wolga (Gouvernement Saratow) Kolonien gründeten. Dialekt: hessisch-pfälzisch geprägt. Konfession: überwiegend evangelisch-lutherisch und katholisch. Hatten 1924–1941 eine eigene Autonome Republik mit Hauptstadt Engels.

Schwarzmeerdeutsche

Deutsche Siedler im Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres (heutige Südukraine). Angesiedelt ab 1804 unter Alexander I. Dialekt: schwäbisch geprägt. Bekannte Kolonien: Odessa, Cherson, Mariupol. Im Zweiten Weltkrieg teilweise von der Wehrmacht "umgesiedelt", danach von der Sowjetunion deportiert.

Trudarmee (Arbeitsarmee)

Sowjetisches System der Zwangsarbeit für Russlanddeutsche 1941–1946. Alle Arbeitsfähigen (Männer 15–55, ab 1943 auch Frauen) wurden in Arbeitslager eingezogen: Kohlebergwerke, Holzfällerlager, Eisenbahnbau. Sterblichkeitsrate bis 30%. Kein Sold, keine Entlassung, keine Nachricht an Familien. De facto Strafarbeit ohne Urteil.

Kommandanturaufsicht

System der Sondersiedlung 1941–1955/56. Alle deportierten Russlanddeutschen mussten sich regelmäßig bei der örtlichen Kommandantur melden. Verlassen des zugewiesenen Wohnorts war verboten — bei Strafe von 20 Jahren Gulag. Aufgehoben nach Adenauers Moskau-Reise 1955.

ASSR der Wolgadeutschen

Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen, 1924–1941. Hauptstadt: Engels (früher Pokrowsk). Ca. 600.000 Einwohner, davon ca. 60% Deutsche. Eigenes Theater, Pädagogische Hochschule, deutschsprachige Zeitung "Nachrichten". Am 28. August 1941 per Erlass aufgelöst.

Plautdietsch

Niederdeutsche Sprache der Mennoniten. Entstanden im Weichseldelta (Westpreußen), weiterentwickelt in den Kolonien am Schwarzen Meer. Heute noch von ca. 400.000 Menschen weltweit gesprochen — in Deutschland, Kanada, USA, Paraguay und Bolivien. Seit 2010 von der UNESCO als gefährdete Sprache anerkannt.

Kolonie

Bezeichnung für die deutschen Siedlungen im Russischen Reich. Keine Kolonien im imperialistischen Sinn, sondern landwirtschaftliche Siedlungen mit weitgehender Selbstverwaltung. Viele benannt nach den Herkunftsorten der Siedler: Straßburg, Mannheim, Basel, Zürich. Insgesamt entstanden über 3.000 deutsche Kolonien.

Manifest Katharinas II.

Erlass vom 22. Juli 1763, mit dem Zarin Katharina II. europäische Siedler nach Russland einlud. Versprochene Privilegien: freie Religionsausübung, 30 Jahre Steuerbefreiung, Befreiung vom Militärdienst, Selbstverwaltung, kostenlose Landzuteilung. Aufgehoben 1871 unter Alexander II.

Grenzdurchgangslager Friedland

1945 eingerichtetes Durchgangslager bei Göttingen (Niedersachsen). Aufnahmestation für Kriegsgefangene, Vertriebene und Spätaussiedler. Seit 1945 über 4 Millionen Menschen aufgenommen. In den 1990ern zentraler Ankunftsort für russlanddeutsche Aussiedler. Heute Museum und Gedenkstätte.

Kulak

Russisch: "Faust" — abwertende sowjetische Bezeichnung für angebliche "Großbauern". In den deutschen Kolonien traf der Begriff fast jeden, da Kolonisten im Vergleich zur russischen Landbevölkerung wohlhabender waren. Entkulakisierung ab 1929: Enteignung, Deportation nach Sibirien oder Erschießung.

OWIR

Sowjetische Behörde für Visa und Registrierung (ОВИР). Zuständig für Ausreiseanträge. Für Russlanddeutsche die zentrale — und gefürchtete — Anlaufstelle ab den 1970ern. Anträge konnten jahrelang ohne Begründung abgelehnt werden. Antragsteller riskierten sozialen und beruflichen Ausschluss.

Community & Heute

Netzwerke, Vereine und Anlaufstellen

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V.

Die größte und älteste Organisation. Seit 1950 Interessenvertretung und Anlaufstelle — mit über 130 Orts- und Kreisgruppen bundesweit. Sitz in Stuttgart.

lmdr.de besuchen → Verband

JSDR — Jugend- und Studentenring

Die Stimme der jungen Generation. Kulturelle Identität, politische Teilhabe und Bildungsprojekte. Landesgruppen in 9 Bundesländern.

jsdr.de besuchen → Jugend

Kulturstiftung der Deutschen aus Russland

Fördert Kunst, Literatur und kulturelle Projekte. Vergibt den Russlanddeutschen Kulturpreis, unterstützt Nachwuchskünstler und bewahrt das kulturelle Erbe.

kulturstiftung.org besuchen → Kultur

Steppenkinder — Der Aussiedler-Podcast

Von Ira Peter und Edwin Warkentin. Geschichten über Identität, Erinnerungskultur und Integration — für Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Alle zwei Wochen eine neue Folge.

Auf Spotify hören → Podcast
Goldene Steppe — Hintergrund

Teil der Geschichte werden

Du bist Russlanddeutsche/r und möchtest deine Geschichte teilen? Du forschst zu dem Thema? Du willst einfach mehr erfahren? Jede Geschichte zählt — und jede verdient es, gehört zu werden.